• Samira

Kein Sex, nur ein Kuss

Ich besuchte die Bar nun zum zweiten Mal. Die Lampe am Eingang sah wie eine billigen Nachmache einer bronzenen Azthekenmaske aus und das Licht nahm die Farben der Kerzen auf, welche in Nischen in der Wand, auf bereits vor Jahrhunderten geleerten, bauchigen Schnapsflaschen standen. Wachs tropfte von der Kerze neben mir auf die Flasche. Die abgenutzten Holzstühle und Barhocker waren noch nicht komplett von Hintern beschlagnahmt. Es war auch einfach noch zu früh dafür. Erst in 2 Stunden würd es hier so voll sein, dass man überall Schweiß an sich hatte, selbst wenn man nicht schwitzte. Ich hatte bock zu spielen, deshalb war ich hier. Spielen kann so ziemlich alles bedeuten, von flirten, über geil machen bis rummachen, anfassen; kein Sex. Im Blick hatte ich den asiatischen Barkeeper, der immer eine Mütze trug (also das letzte Mal, heute und auf seinen Facebook Profilbildern). Er hatte sich bei unsrer ersten Begegnung sehr nett mit mir unterhalten. Selbst als er aufräumen musste und die anderen Gäste rausgeschmissen wurden, durfte ich bleiben und wir haben uns einfach nur unterhalten. Über nichts bestimmtes, er war einfach nur freundlich gewesen. Nicht aufdringlich, er hatte ein lockeres „Hi“ zur Einleitung des Gespräches verwendet. Er konnte seine Gier nach Fleisch gut verstecken und das gefiel mir. Solche waren am Ende am schlimmsten. Das gefiel mir noch mehr. „Hi, was willst du trinken?“, Kahn sah mich freundlich lächelnd an. “Ich weiss nicht“, war meine Antwort darauf. Der Typ konnte noch keine 18 sein, so wie der aussah. Ich war mindestens 4 Jahre älter als er. Wann zum Teufel hatte er gelernt Mädchen/Frauen mit diesem freundlichen „Hi“ anzusprechen? Ich dachte sofort an Sex mit ihm. Aber die Spielregeln zum „Spielen“ wollte ich zu diesem Zeitpunkt noch befolgen: kein Sex! „Ich nehm nen Erdbeermagaritha“, brachte ich heraus. Mein Gesicht glühte förmlich. An der Art wie er mich nach was zum Trinken gefragt hatte, wusste ich, dass er sich an unser freundliches Gespräch, genau vor einer Woche, erinnern konnte. “Wo sind deine Kumpels vom letztem Mal?“, „Die haben heut was anderes zu tun“, antwortete ich. Ich war letzte Woche mit einer Horde von 5 bengalischen Männern ins Mezka reingestürmt und wir hatten einfach sehr viel zu lachen gehabt. –Ich will mit ihm rummachen- der Gedanke ging mir jetzt nichtmehr aus dem Kopf. „Hier“, sagte Kahn und stellte einen Erdbeermagaritha vor mir ab, das Geld, was ich aus meiner Handtasche schnell hervorkramte, lehnte er mit einem freundlichen Lächeln ab.-Du bist fällig- dachte ich mir und lächelte dankbar zurück. Den Abend über überlegte ich, ob es mir was ausmachte mit einem knapp Minderjährigen was anzufangen und es störte mich ein wenig. Aber warum es mich genau störte wusste ich auch nicht. Selbst ob es mich wirklich störte, oder nur zu stören hatte konnte ich nicht festlegen. Egal, es war nun schon einmal richtig voll in dem Laden geworden und wieder ganz leer. Kahn würde bald mit seinen Kollegen Feierabend machen. Ich hatte den ganzen Abend über keinen festen Stehplatz gehabt, gesessen hatte ich garnicht. Kahn hatte sich einen Besen geschnappt und fegte den hinteren Teil der Bar, der abgetrennt war. Mein Herz klopfte bis zum Hals, ich war der einzige Gast. Ich hatte mich auf einen Tisch in der Nähe von Kahn gesetzt und wir hatten wieder ein freundliches Gespräch. In meinem Kopf ging aber was ganz anderes ab: wann küsst du ihn, wie machst du das?

Ich sprang urplötzlich auf, riss ihm den Besen aus der Hand, presste ihn gegen die Wand, seine Armgelenke fixiert und küsste ihn.



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