• Samira

Es passt einfach nichtmehr

Aktualisiert: 4. Okt 2020

Im Radio wird über den Sinn des Lebens gesprochen: "Für welchen Weg soll man sich entscheiden bei dem Übermaß an Möglichkeiten? Man ist zerrissen in sich selbst und oft fühlt man sich überfordert und allein gelassen mit seinem Schicksal [..blablabla.]. Die Antwort darauf ist Vertrauen in Gott zu besitzen. Er führt dich. Ein Beitrag der evangelischen Kirche."

Was ich selber über solch beschissene Pauschalaussagen denke? Fick dich! Fickt euch alle! Euer scheiß Gott gibt mir weder Essen, noch ein verficktes Dach über dem Kopf oder sonst noch was. Aber das Gelaber von davor? Ja, das hätte auch von mir sein können.

In was für einer Zeit leben wir? Technisch aufregend, moralisch beschissen. Wir brauchen ein neues Zeitalter, die Jungen sind gefragt, allerdings darf die Jugend nicht so verdreht sein. Kapitalismus, ungebremste Globalisierung, Extremismus, überall lauert Konsum, das Geldwertesystem, Hirnficke, Seitenbildung. Man wird schon mit Ängsten aufgezogen, man darf keine Fehler machen, deshalb wird man zugestopft mit Angst und Strafen. Funktioniere, auch wenn es nur nach außen hin so aussieht. Misstraue Fremden, sie könnten dir was Böses wollen, wo ist die Grenze zwischen gesunder Vorsicht und Angst? Kann ich meinem Nachbarn vertrauen? Nein, ich kenne seine Werte nicht, ich weiß nicht wie er mit mir umgehen würde, ist es Angst oder gesunde Vorsicht. Egal, das Ergebnis ist dasselbe. Ich werde nicht mal meinen Nachbarn kennenlernen, es gibt genügend Gründe. Wo ist das wir-Gefühl in dieser Misstrauensgesellschaft, wenn gerade mal keine große Katastrophe oder Fußball WM ist? Menschen fühlen sich allein, haben verlernt aufeinander zuzugehen. Es gibt Vorurteile, ein falscher Kommentar reicht, die Sprache nicht richtig beherrschen, die Klappe nicht weit aufreißen wollen und du wirst gefressen oder komplett ausgeschlossen. Menschen haben oft Angst alleine dazustehen und klammern sich an den Erstbesten. Und doch herrscht oft Konkurrenz außer man hat einen gemeinsamen Feind wie das Studium, die Schlampe die zu viel Brust zeigt, der Streber in der ersten Reihe, der komischen Typen dahinten. Man vertraut sich nicht, man kennt sich nicht wirklich, man verliert sich in Vorurteilen nur um dazuzugehören, um nicht alleine zu sein. Keine Sorge, Ausnahmen bestätigen die Regel. Überall ist der Mangel an wahrhaftiger Liebe, Vertrauen, Zärtlichkeit, Grundbedürfnissen sichtbar. Man ist schon ganz schön verseucht. Ständig hat man das Gefühl irgendwas in irgendeiner Weise besser gemacht haben zu können, zu verpassen, zu wenig Zeit zu haben und die Energie reicht einfach nicht für alles aus. Sie fehlt oft um Dinge wirklich von Herzen machen zu können um wahrhaftig teilen zu können. Man ist nicht so frei wie man es möchte, so viele Gedanken in unseren Köpfen und es ist wieder so anstrengend, so faul.

Kapitalismus macht einen rau: man zieht sich in sich selbst zurück und sucht verzweifelt nach echten Verbindungen.

Wir werden gegängelt! Kindergarten, Schule, Studium, Menschen in Machtpositionen die ihre Menschlichkeit wegschmeißen mussten, eine Besser/Schlechter Gesellschaft wie sie im Buche steht. Dabei können wir Menschen durchaus selber entscheiden, es mangelt an Alternativen in allen Bereichen. Und mir ist klar, dass das nicht jeder möchte, jedem das seine, aber freien Willen für jeden! Das ist wirklich wertvoll. Wonach streben Menschen? Sie suchen einen Sinn in ihrem Leben! Kinder geben einem Sinn, aber wenn sie groß sind hinterlassen sie ein Loch und man fühlt sich unbrauchbar- Midlife-Crisis. Menschen brauchen Hobbies, wenigstens eine sinnvolle erschaffende Tätigkeit, denn das befriedigt wirklich. Wir haben oft keine Zeit dafür und keine Ahnung wie es anzustellen ist. Was jeder von uns kann ist sich kaputt machen, durch Arbeit, Stress, den Schein aufrechterhalten, sich selber abtöten. Seid froh, dass es noch etwas Kultur gibt, anstatt Schulungen für Berufsfindung sollte es Schulungen für Freizeitgestaltung geben und einen regen Austausch. Es ist alles so sinnlos und wir sterben, innerlich. Langsam. Nicht aufhaltbar. Außer wir fangen endlich an uns alle mal an einen Tisch zu hocken. Wir löffeln alle dieselbe Suppe auch wenn wir es gar nicht merken, nur merken es schon viele und die leiden. Das geht so nicht! Aufwachen, hinsehen, Gespräche anregen, sich engagieren. Ich hoffe es wird möglich sein einen Wandel in der Gesellschaft und die Transformation in eine Gemeinschaft so gut es geht zu unterstützen. Ihr seid nicht allein.

Wie kann eine Gesellschaft funktionieren? Es braucht Gemeinschaftsgefühl, sozusagen die Grundzutat, die sich doch erst entwickeln muss. Gemeinschaftsgefühl entwickelt sich, wenn man an dem Wohl der Mitmenschen interessiert ist, sozusagen selbstlos liebt. Natürlich ist es für die meisten erst möglich auf diese Art und Weise zu lieben, wenn sie nicht um ihr eigenes Wohlergehen bangen müssen. Hier in Deutschland ist diesbezüglich bedingungsloses Grundeinkommen im Gespräch. Damit unsere Grundbedürfnisse zufriedengestellt sind und nicht ständig Amok laufen. Darauf aufbauend sind Zentren für Informationsaustausch wichtig. Offene Gespräche von Mensch zu Mensch, lokal und global. Ein angereicherter Pool des Wissens und Austauschs, der Menschlichkeit zugetan. Ich denke es wäre einen Versuch wert die Kirchengebäude als Zentren des Austausches und des heiligen Schaffens wiederzubeleben. Dient die Kirche, die spirituellen Orte nicht der inneren Kommunikation mit Gott? Wer ist dieser Gott? Wir sind doch alle göttliche Wesen, besitzen alle den göttlichen Hauch des Lebens, unsere Seelen. Wenn nicht wir, wer sollte dann auserkoren sein in diesen Stätten zu weilen, zu gedeihen und wieder zusammenzuwachsen, als das eine Lebewesen das wir sind.




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